Adventsmarathon in Bad Arolsen

Auf Einladung von Antje lief ich dieses Jahr den Marathon in Bad Arolsen. Sie wollte mich schon letztes Jahr überreden, aber das passte zeitlich einfach nicht. Dies Jahr hatte ich in der Woche Urlaub und es ging Freitag nach Marburg und Samstag zum Lauf.
Der Lauf scheint eine größere Tradition in der Gegend zu haben, den es kamen viele Läufer von weiter weg. Laut Erzählung war der frühere Veranstalter ziemlich daneben und hat es sich mit allen verscherzt. Jetzt ist es die 2te Auflage mit neuem Team. Es läuft sehr familiär ab und zur Startnummer gab es noch einen Weihnachtskalender für jeden Starter. Meiner liegt noch in Marburg, denn wie immer vergisst man ja bei der Abreise etwas.
Die Anreise dauerte etwas. knappe 90km nur über Dörfer tingeln in den auch immer ein Blitzer steht ist zeitraubend. Wir waren ca. 1Std. vor Start da. Treffpunkt war eine große Veranstaltungshalle oberhalb des Sees. In Ruhe umgezogen und noch bisschen rumgeschaut und dann ging es zum Start. Antje schnackte mit einigen, aber wir wollten zusammen laufen, denn das war eigentlich der Hauptgrund für den Start dort. Trainiert haben wir öfter zusammen, aber Wettkampf war es der Erste.
Zielzeit: 3:30:00
Mein erster Berglauf, denn ich auf nahezu Vollgas laufe. Immerhin ist meine Bestzeit auf der flachen Bremer Strecke, 03:18:20. Hier kommen jetzt noch 620Höhenmeter auf mich zu.

Es geht die ersten 3Kilometer am See entlang mit leichten Wellen. Zu uns gesellte sich ein Läufer, Jens, den Antje kannte. Wir/Sie unterhielten sich und da wir ziemlich exakt die Pace hatten für 3:30, war eine kleine Gruppe Läufer hinter uns. Antje lief konstant das Tempo ohne Uhr, ja da ist schon ein Erfahrungsunterschied merkbar.
Nach dem Stück am See wo ich selbst nicht wusste was das heute wird. Erst fühlte es sich alles ziemlich unrund an, dann war es mir fast ein Tick zu langsam. Ging es den ersten leichten Anstieg hoch. Es ging eine ganze Weile bergauf. Die Pace blieb fast konstant und auch die Gespräche hielten an. Wir erreichten schon den ersten Verpflegungspunkt. Die Zeit verfliegt recht schnell, wenn man „abgelenkt“ ist. Kurz danach ging es aus dem Wald und seicht bergab, man konnte es gut rollen lassen. Über eine Straße, die von der Polizei freigehalten wurde und der nächste Verpflegungspunkt war erreicht. Kilometer 10 ca. Antje lies ihn aus und meinte es kommt eh gleich noch einer, also nahm ich auch nichts. Wieder Berg hoch. Gelaufen Wurde bis auf ca. 7km nur auf Wald und Forstwege, aber es war bis auf wenige Stellen recht fest und kaum matschig. Ab und zu musste einer in der Mitte auf dem nicht befahrenen Streifen laufen oder man lief hinter dem anderen.
Bei Kilometer 13 kam wirklich der nächste Verpflegungspunkt, hier gab es auch eine Abkürzung um auf nicht gewertete 22km zu kommen. Kurz ein Becher warmen Tee und weiter ging es.
Es ging wieder Berg runter und im nächsten Ort gabs wieder Verpflegung. Die Punkte waren super bestückt, von Weihnachtszeugs, über TUK-Kekse, Schokoriegeln, hin zu Cola, Tee und Wasser. Ich nahm nen halben Snickers und was zu trinken und machte mich mit Jens wieder auf die Verfolgung von Antje. Sie lies jeden 2ten VP aus. Das es Riegel gab fand ich toll… ABER… Es waren Temperaturen um 0°! Der Riegel war steinhart, nach einiger Zeit hatte ich ihn aber gegessen.
„Jetzt kommt der erste schwere Berg“… Moment, was war das vorher? Es ging mit bis zu 18% hoch. Antje ist ihn letztes Jahr zum ersten Mal durchgelaufen, also quälten wir uns laufend hoch. Mein Ziel war es so lange wie möglich an ihr dranzubleiben. Oben pocherten die Waden und der Puls war verdammt hoch. Jetzt ging es wieder normal durch den Wald, über ein kurzes Stück Straße und eine Extraschleife durch den Wald. Auf der Straße überquerten wir die Halbmarathonmarke, 1:46:xx. Etwas hinter der Pace, aber das geht auf so einer Strecke wahrscheinlich nicht so genau. Außerdem kommt noch ein langes Bergabstück, wo man Zeit rausholen kann.
Auf der Schleife war ein kurzes Begegnungstück und wir sahen die ersten 3 Männer. Insgesamt war es eine 5km Runde. Vor uns war ein steiler Anstieg, den wir aber nicht hoch mussten, sondern links rum um einen kleinen See rum und dabei immer ganz leicht kaum sichtbar Berg auf. Ich finde solche Stücke sind fast härter als die Rampen. nach dem wir zügig bergab durften kam eine scharfe Kurve und wieder eine kurze Rampe. Bei solchen Wechseln meldeten sich sofort die Beine.
Jetzt kamen wir zu dem Anstieg von vorhin, durften ihn aber runter laufen und hatten ein schönen Blick auf 600-700m der Strecke. Jens stellt fest, Neongelb ist die Farbe des Laufs/Winters. ca. 80% der Läufer die wir sahen, waren so gekleidet.
Es ging wieder zurück zur Straße. Wir sind bei Kilometer 26. Heiko, Antjes Mann rief ihr zu: „Platz 7 und 2min Rückstand aufs Podium!“
Eigentlich wollte sie sich nicht quälen, aber da der Platz kurz danach erreicht war und wir bald 4 und 5 sahen wurde ihr Ehrgeiz geweckt. Kurz nach dem wir die 6te Frau überholt hatten ging es lange steil bergauf und wurde nach oben hin noch steiler. Antje geht diesen Berg immer… Außer dies Jahr, denn wir hatten gerade die Frau am Fuße überholt. Also hoch laufen, Waden sind steinhart und Puls rast. Oben angekommen, gabs dann meinen Ritterschlag. Antje meinte ich halte super mit und das als Flachländer.
Immerhin laufe ich mit der Spartathlon 2ten und 3fachen Deutschen 24h- Meisterin und wie sich während des Laufs rausstellte mit Jens Lukas. Drittbester deutscher 24h-Läufer, 9facher Spartathlon Finisher und 3fach Sieger, UTMB 2ter. Beide befinden sich im Nationalkader. Beide sahen es aber als lockeren Trainingslauf an…
Bei Kilometer 34 sahen wir die beiden Damen am VP und danach ging es wie angekündigt lange und steil bergrunter. Antje und Jens nutzen ihre Chance zogen das Tempo an und überholten die Damen ziemlich schnell. Ich konnte ihr Tempo nicht mitgehen, lief aber selbst unter 5:00min. Also war ich jetzt allein unterwegs. Bei Kilometer 37ging es über eine Kuppe und ich konnte die beiden nochmal sehen. 500m waren bestimmt zwischen uns. Am Ende waren es knapp 3min.

Ab hier ging es durch ein kleines Dörfchen mit weiterer Verpflegung um einen Berg rum und zurück zum See.
Bei der Verpflegung bin ich immer ein paar Schritte gegangen und hab sie ruhig zu mir genommen.
Am See überholte ich dann auch die beiden Frauen die wir noch zusammen gesehen haben und auch noch ein paar Männer auf den letzten Metern.
Ich erreichte das Ziel in 3:31:08
Das reichte für Platz 37 gesamt und Platz 1 in der AK. Ja mit M30 hat man da etwas glück. 4 Jahre älter und ich hätte unter 3:07 laufen müssen.
Ich war ziemlich K.O und das fiese ist, man muss nach dem Ziel einen steilen Berg zurück zur Halle hoch.

Es ist ein toller Lauf in super schöner Landschaft, der nicht einfach ist. Er ist gut und liebevoll organisiert.
Einiges Wehrmutstropfen war die Siegerehrung, wir mussten ja noch auf Antjes Platz 3 warten. (Ich wusste von meinem Glück ja nichts) und es dauerte ewig. Aber die Sieger bekommen riesen Schokoweihnachtsmänner. 2,6kg wiegt der für Platz 1. Ca. 3Stunden nach meinem Zieleinlauf war es dann soweit, da einige Einsprüche eingelegt haben usw. Ich weiß zwar nicht wie sie die einlegen konnten, denn ich habe bis kurz vor Schluss keine Ergebnisse gesehen.
Es gab nämlich eine Mannschaftswertung, die auf Wunsch der Siegermannschaft dies Jahr eingeführt wurde. Bisschen übertrieben bei 246 Finishern und da die Zeitmessung per Hand gemacht wurde dauerte das dann alles. Bis auf die Sieger und deren Angehörigen war die Halle leer. Leider, aber verständlich.

Als Alterklassensieger hab ich einen Startplatz für 2015 bekommen, also kann ich sagen: „Ich komme wieder“

Für Zahlenliebhaber:

Video von Frank Pachura:

Advertisements

2 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s