Der härteste im Norden

 

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Blick auf die Strecke nach dem Lauf

Es ging mal wieder in die Heimat und um mal wieder um einen See zu laufen, diesmal den Tollensesee bei Neubrandenburg. Diese Läufe haben es echt in sich. Der Müritzlauf war schon sehr anstrengend und dieser Lauf sollte annähernd so hart werden.
Er nennt sich selbst der „härteste Marathon Norddeutschlands“ und das zurecht. Im Vergleich zur Müritzumrundung wo die ersten 20km recht schön durch den Nationalpark und dann viel auf Straße gelaufen wird. Ist man hier viel am See und auf festen Sandwegen unterwegs. Ständig alleine in der Natur, einfach schön.


Ich bin am Samstag morgen nach Neubrandenburg gefahren. Es waren 29Grad angekündigt, also so wenig Stoff wie möglich tragen… Die Startnummern holt man in der Stadthalle ab und dort war auch der Start. Noch ein wenig umgeschaut und kurz vorm Startschuss Michael vom Ultra Sport Club Marburg getroffen.

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Ich hatte eigentlich recht gut trainiert und wollte ca 3:30std laufen, mit etwas Glück lande ich in meiner Altersklasse auf dem Podest, es waren ja nur 9 Starter gemeldet.
Es war mein erster Lauf mit Staffelbeteiligung, also gab es am Start viele schnelle Läufer, da sie in 9km wechselenden. Ich war etwas unsicher wie es sich mit ständig frischen Läufer läuft. Der Vorteil an den Staffeln war, dass es an den Wechselpunkten immer sehr viel Unterstützung von den Teams gab. An jedem Wechsel wurde man auch von einem Ansager begrüßt.

Die ersten 8km waren recht flach und ich wollte etwas Zeit gutmachen, da ich die Anstiege langsamer laufend und nach Hohenzieritz hoch evtl. gehen wollte, diesen Berg kannte ich recht gut. Wir liefen die ganze Zeit im Wald ganz nah am See, durch einige winzige Siedlungen und es war einfach eine tolle Landschaft. Nach dem ersten Wechsel in Klein Nemerow ging es stetig bergauf zur Bundesstraße und dort ein kurzes Stück auf dem Radweg parallel dazu auf und ab. Ich drehte mich bei einem Verkehrsschild mal um, um zu sehen was drauf stand… 18% Gefälle, die bin ich gerade hochgelaufen. Nun gab es viele Stücke in der Sonne zwischen Felder mit Korn, Mohn- und Kornblumen. Ein schöner Anblick. Ich war recht allein, ein paar Staffelläufer überholten mich. Es wurde immer wärmer. bei KM20 kam mir auf der Schleife nach Hohenzieritz und zurück, der erste Staffelläufer und kurz danach der erste Marathoni (der den Lauf in 3:03 beendete) entgegen.

Jetzt kommt der ewig lange und steile Anstieg nach Hohenzieritz, ich wechselte in einen Gehschritt, die Pace war eh schon etwas langsamer als geplant, ich machte an den Verpflegungspunkten halt und ging immer ein Stück danach, wässerte die Mütze und kippt mir auch immer ein Becher Wasser in den Nacken. Oben am Schloß war dann der Halbmarathonstartbereich und endlich gab es Cola und auch Schwämme… Ich nahm 2 mit einen warf ich weg und der andere befindet sich immer noch in meinem Besitz. Die Uhr zeigte 1:46:00 eigentlich noch fast im 3:30iger Fenster. Jetzt ging es den langen Anstieg wieder bergab. Und man konnte sich die ganzen nachfolgenden Läufer anschauen. Viele kämpften schon. Es war jetzt gegen 12Uhr.

Die Sonne machte mir echt zu schaffen und ich ging jetzt an den Anstiegen… In Zippelow, einem kleinen Ort bei km23-24 war ich echt fertig und ziemlich überhitzt… Hier dachte ich ans Aussteigen, evtl in Alt Rehse da ist der nächste Staffelwechsel, also gibt s da auch ein Shuttle zurück nach Neubrandenburg. In Zippelow fließt zum Glück ein Bächlein, was wir überquerten und ich tränkte Mütze und Schwamm drin. Es ging stetig Berg auf. Ein Läufer schloss kurz hinter Prillwitz auf und wir gingen den Anstieg und liefen die Gerade und bergab zusammen. Es kam ein Verpflegungspunkt, kurz vor dem nächsten steilen Berg und es gab seit Hohenzieritz Cola und endlich Äpfel, bisschen was spritzig, auf Bananen hatte ich sogar keine Lust, die gab es vorher nur. Ich ging den Berg mit dem Läufer hoch und liefen wieder an, als es eine kleine Welle gab und ich wieder ins Gehen wechselte, schickte ich ihn nach vorne raus. Ich entschied mich durchzukommen, egal wie und einfach viel zu gehen.

Da ich ja jetzt Zeit hatte ärgerte ich mich keine Kamera mitgenommen zu haben, um die tolle Landschaft zu fotografieren. Noch mehr ärgerte ich mich über die fehlende Trinkflasche obwohl es jetzt ca alle 2,5km einen Verpflegungspunkt gab. Ich laufe ja immer mit Kompressionssocken, die streifte ich nach unten, weil mir einfach zu warm war.

In Alt Rehse ging es wieder lange und sehr steil berghoch. Einige Staffelläufer warteten auf ihre Läufer und feuerten mich an… „Hier nach kommt nur noch ein Berg, 3km vorm Ziel, sonst geht s nur noch runter!“ Also nochmal am Verpflegungspunkt gut gestoppt und weiter ging s. Es ging wirklich erstmal bergab und ich lief ein Stück bis zum ersten flachen, langen Anstieg, den man als frisch startender Staffelläufer anscheinend nicht wahrnimmt.
Es ging jetzt wieder viel durch den Wald und es waren auch viele Läufer zu sehen. An einem Verpflegungspunkt an einem Zeltplatz hörte ich, dass hinter mir der Bürgermeister aus Neubrandenburg kommt, welcher in einer Staffel lief. Er überholte mich, aber wechselte bei den leichten Wellen auch in einen Gehschritt, wenn ich lief, lief ich 5:30 und holte ihn wieder ein. Wir liefen zusammen, unterhielten uns und ich muss sagen ein sehr sympathischen Bürgermeister hat die Stadt. Wie spricht man ihn an, normalerweise natürlich mit Sie, aber wir sind ja beide gerade Läufer, also Du.
Es kam der angesprochene Anstieg, wir gingen beide. Nun nur noch bergab, durch den Park und ab ins Ziel. Er erzählte mir noch von einer fiesen Brücke im Park, die bei km 40,5 kam.
Er ließ den letzten VP aus, ich überholte ihn aber vor der Brücke noch. Ich lief meinen Schuh und wollte ihm ja auch seinen eigenen Zieleinlauf lassen.

Die Brücke ist echt hart, sehr steil, die merkt man nochmal richtig im Oberschenkel. Jetzt schlängelt man sich noch etwas durch den Park und hört die ganze Zeit schon den Sprecher im Ziel.

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Hier feuerten die Zuschauer nochmal gut an und ich lief mit 4:06:27 durchs Ziel. Was ein harter Lauf. Ich holte mir Getränke, fotografierte den See und legte mich eine Weile auf den Rasen.
Schaute nach Michael und gratulierte ihm zum ersten Marathon…

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Als ich meine Urkunde am Druck abholen wollte hieß es, ich bekomme sie zur Siegerehrung auf der Bühne. Ich erreichte trotz der „enttäuschenden“ Zeit den dritten Platz in meiner Altersklasse.

 

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Mit Ausnahme des Sünteltrails ist dies die landschaftlich schönste Strecke auf der ich unterwegs war.
Der Bremer Bergmarathon hat ja noch mehr Höhenmeter, läuft aber fast nur im Schatten, kürzeren Abstand zum Verpflegungspunkt und nicht so steile Anstiege. Also darf Neubrandenburg den Titel weiterhin tragen… Für mich war es mal wieder ein guter Dämpfer, war am Start und Anfang des Laufes etwas zu selbstsicher…

Ich werde diesen Lauf bestimmt noch einmal laufen… Wann ist noch nicht sicher und ob dann wieder ambitioniert oder einfach nur die Landschaft genießend ist auch nicht sicher.

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