24h-Lauf in Basel… Soviel Wasser kann doch da oben gar nicht gespeichert werden?!

Das Vielleicht größte Highlight in diesem Jahre stand bevor. Mein erster 24h-Lauf, eigentlich müsste ich den ja hier vor der „Haustür“ in Delmenhorst laufen, aber ich entschied mich für die deutsche Meisterschaft in Basel, denn dort startet auch Antje und somit ist Heiko als Betreuer mit. D.h. ich brauche mich nur um mich kümmern und habe etwas mentale Unterstützung durch die beiden.
Ich wollte aber relativ wenig Support haben, immerhin wollte Antje ihr Meistertitel zum 4ten Mal in Folge holen (was ihr auch gelang), aber ein Pavillon und Tisch brauchte ich z.B. nicht organisieren

Die Anreise erfolgt per Flugzeug aus Hamburg und wir übernachteten sehr günstig in der Baseler City, dank der Mitarbeiterpreise meines Arbeitgebers. In Basel holte mich Marc, den ich aus meinem vorherigen Leben als NERD noch kennen, ab.
Ein bisschen Sightseeing und dann zum Stadion Heiko und Antje treffen. Wir bauten den Pavillon auf und fuhren ins Hotel.
Die beiden checkten noch ein und dann ging es zum Essen. Nächsten Morgen versucht ich reichlich zu frühstücken und wieder zum Stadion.
Trotz meiner Aufregung konnte ich recht gut frühstücken. Die letzen beiden Wochen hatte ich ordentlich mit Präwettkampfkrankheiten zu tun. Erst war die Wade plötzlich hart, als hätte man einen blauen Fleck, anschließend (Samstag eine Woche vorm Wettkampf) habe ich mir die Schulter verspannt/Nerv eingeklemmt…

Wir waren etwas über eine Stunde vor Start an der Strecke. Antje hat sich ihr Zeug zurecht gelegt und ich meins. Klamotten etwas sortiert und dann mal rum schauen. Kurz Jörn und Jens Lukas Hallo gesagt und mir dann von Antje Musik geben lassen um noch etwas abzuschalten (da brauche ich noch die Namen)

Beim Start dann irgendwo in der Mitte einsortiert und los ging es. Heiko wollte in den ersten Runden noch Fotos für den Verein und Zeitung machen, also auf seiner Seite laufen und bisschen Abstand zum Vordermann lassen.

Meine offizielle Aussage zum Ziel für Basel war: „160km sollten das Minimum werden und 180km wären toll!“
Im Gespräch während des Trainings meinte Antje, dass 200km möglich sind. Ich sollte dafür die 100km ca in 10,5Std. laufen. Ich ging das Rennen mit einer für mich ruhigen Pace, aber nicht zu langsam an. 5:40-5:45
Meine suunto soll bis zu 24std halten, aber leider wurde sie durch diese Einstellung auf der Runde etwas ungenau. Ca 150m fehlten auf die 1,1km!
Also lief ich eher nach Gefühl und gleichte die Rundenzeiten grob ab. Das ging die ersten 3Std recht gut. Ich lief mein Ding, schnackte kurz mal mit Jörn oder Antje, wenn wir uns begegneten. Ein Zuschauer/Veranstalter feuerte uns persönlich mit Namen an. So dass ich gerade auf Höhe von Edi war, den ich schon suchte… Wir kennen uns aus dem streakrunner-Forum. Kurz mit ihm und seinen Nachbarn geschnackt und weiter ging es. In der Mitte der Strecke spielte die Jugend vom FC Basel Fußball, bisschen gucken ging. In der einen Ecke saßen Musiker in einem Pavillon, hatte bisschen was von Harekrischna und war absolut nicht mein Fall. Die Damen hielt aber unermüdlich durch, mit ein paar Pausen waren sie 24Std da. Alle 3 Runden verpflegte ich mich, erst abwechselnd Wasser/Saft und Getränk+Obst. Im Pavillon gab es noch Gels und Belohnungen für bestimmte „Meilensteine“, weiße Toblerone, Pfefferbeißer, Energy Drink, Käsekuchen (bedarf noch etwas Überarbeitung)
Es Lief recht gut, die Temperaturen waren mit über 20Grad fast schon zu warm, aber es war Regen angekündigt. Es wurde somit immer stickiger. Um die 30km kam so ein kleines mentales Tief (beim Marathon ist das der Mann mit Hammer?), aber das ging recht schnell weg. Ich beendete den Marathon in unter 4:00.

So langsam setzte der Regen ein. Es wurde somit auch etwas kühler. Noch nicht unangenehm. zwischen 50km und 60km hatte ich mein erstes Tief und ich ging immer wieder ein Stück von der Runde. Da halfen jetzt die Betreuer, auch die von den anderen Teams, sei es Norbert von der LG Mauerweg oder ganz besonders Heike von der LG DUV, die regelmäßig andere Motivationsschilder hoch hielt.
Eigentlich wäre noch eine Stunde gewesen, bis zur ersten Belohnung, aber ich wollte JETZT meine Toblerone!

Nachdem Tief, in dem ich mir wieder Jörn und Edi als Gesprächspartner gesucht hab ging es weiter durch den Regen. Ziel 100km in 10:30std

Ich erwähne jetzt nicht mehr das es immer kälter und nasser wurde. Ich wechselte regelmäßig die Klamotten…

Die 100km schaffte ich dann auch recht exakt in 10:31Std. und mir ging es noch gut. Die Oberschenkel brannten nur schon etwas. Das lag wahrscheinlich am Regen und der Kälte in Kombination mit der Belastung. Ein nerviger Schmerz auf dem Hüftknochen konnte Heiko mit etwas Eisspray entfernen.
Das nächste Tief kam dann kurz vor 00:00 und hielt auch recht lange. Ich ging jetzt öfters. Recht zügig, aber ich ging. Als ich mir dann was richtiges zu Essen suchte (Hauptgang) wurde meine Laune nicht besser, der Veranstalter Sri Chinmoy bietet nur vegetarisch an. Ansonsten war die Betreuung und Unterstützung aber super. Ich nahm also ein Teller Reis, mit komischen Gemüse und Tofutaler. bis auf den Reis landete alles in der Tonne. Da hat ausnahmsweise wirklich mal mein Körper rebelliert und sich geweigert.
Die Strecke war jetzt auf der einen Geraden unter den Bäumen überflutet und es gab nur schmale Pfade oder gar kein richtigen trockenen Weg. Die 12Std Läufer kamen auch noch dazu.

Es gab in meiner Altersklasse 3 Starter bei der deutschen Meisterschaft. Benjamin Brade, der im Nationalkader steht und jemand vom Rennsteiglaufverein. Benjamin lief wie erwartet ganz vorne mit und überrundete mich regelmäßig, der Läufer aus Thüringen war auch schon mehrmals an mir vorbei. Ich fand das so gut. Ich wollte nur Strecke schaffen und mich nicht mit irgendwelchen Platzierungen beschäftigen, was zu diesem Zeitpunkt auch viel zu früh ist.
Jedenfalls fiel mir beim marschieren und Zeit/Strecke abgleichen auf dem Monitor auf, das ich plötzlich 2ter in der AK war. Der Rennsteigläufer, muss ausgestiegen sein.
Zweiter klingt doch gut!

Um 1:00 wechselte ich dann Socken und Schuhe und das gab nochmals Motivation. Ich lief die nächste Stunde wieder durch, ähnliches Tempo wie zu Beginn. Nahm dann aber etwas Tempo raus und wechselte auf San-Seppos-Taktik. 2 Runden Laufen und eine zügig gehen. In der Gehrunde verpflegte ich mich und ging auf Toilette. Ich rechnete wieder fleißig, mit Restzeit und Kilometern (viel zu früh) und wusste so was ich in diesem dreier Block laufen musste. Ich machte noch Zeit gut. Ich beobachte die Platzierungen der Topläufer und mir fiel auf, dass Benjamin abrutschte… Hmmm? Der hat dich auch lange nicht überholt. Also Norbert mal gefragt ob er aufpassen kann ob er in meiner nächsten Runde vorbei kommt. Tat er nicht, also muss er ausgestiegen sein. Der Vorsprung war über 14 Runden, aber es war wieder Motivation, wenn er nicht zurück kommt, kann ich das ja sogar zu laufen und wäre erster in der AK.
Das ging 4Std gut. Es war jetzt 6:00 morgens. Es hatte mal für 1Std aufgehört zu regnen nur um noch kräftiger wieder anzufangen. Jetzt kam das nächste große Tief und mir wurde sehr kalt. Ich ging ziemlich zusammengekauert. MIr fehlte laut Rechnung 2 Runden zur 200. (Fehler! sich so früh schon Gedanken zumachen) Benjamin kam auch wieder auf die Strecke und überholte mich. Abstand waren noch 4 Runden.
Ich kühlte ziemlich aus, auch Antjes und Heikos Anfeuerung von wegen: „Fang an zu laufen. Beweg dich schneller. Benutz die Arme.“ halfen nicht mehr. Ich zog mich gegen 7:00 nochmal um, wahrscheinlich zu spät und wechselte auch nochmal die Schuhe. Als ich wieder los wollte war der Körper hart. Ich schaffte die Runde gerade so. OK das war es! 170km sind es geworden.

Ich ging ins Sani-Zelt legte mich auf die Trage mit 2 Decken und lauwarmer Wärmflasche und zitterte immer noch. Da lag ich bestimmt 30min.
Ich schleppte mich zum Pavillon und holte mein Zeug. Ich will nur noch raus aus den Klamotten und Duschen. Auf dem Weg zur Dusche traf ich dann Benjamin, er hatte ähnliche Probleme in der Nacht gehabt und wollte aber gleich noch auf die Strecke, vielleicht schafft er die 200km ja noch.
Nach langer Dusche und einem zufälligen Treffen mit Edi in der Umkleide, saß ich noch etwas im Gebäude und ging in normalen Klamotten zurück zum Pavillon. Heiko meinte nur, dass ich doch nochmal auf die Strecke könnte, vielleicht schaffe ich die 180km noch, wenn ich rum wandere.
Recht hat er, immerhin waren es noch 1:50Std Zeit und was will ich solange machen. Ich nahm meine Schuhe, ging in die Umkleide und föhnte sie trocken.
Umziehen in nasse oder kalte oder beides Klamotten fand ich doof. Also in normalen Socken, Trainingshose, Pullover und Softshell auf die Strecke. Jörn kam besser über die Runden und lief sogar noch. Ich begleitete ihn 2 Runden, dann kam seine Pflichtpause. Die 2 Runden lief ich sogar. Also weiter zügig wandern. Marc ein 12h Läufer aus der Schweiz gesellte sich dazu und war auch froh wen zum schnacken zu haben. So drehten wir die letzten Runden zusammen und bekamen irgendwann unsere Fahnen für die Restmeter. 15min vor Ablauf der 24Std schaffte ich die 180km, eine Runde ging in diesem Zeitfenster noch. Die wanderten wir auch noch und ich ging mit der Fahne bis zum LG DUV Pavillon, steckte sie, 4min vor Schluss, in die Hecke und bedankte mich für die Unterstützung.

Es wurden 181,945km Platz 17 bei der Deutschen Meisterschaft und Platz 2 in der AK

Danach machte der Körper zu. Bewegen ging kaum noch. Wir fuhren schnell ins Hotel um zu Duschen und zurück zur Siegerehrung. Ein Glück hab ich nicht gewonnen, da oben wäre ich nie drauf gekommen. Das sagte ich auch Benjamin. Er sprang daraufhin auf sein Podestplatz… Arsch 😉

Jetzt geht es mir schon wieder recht gut. Die Tage zuvor haben die Muskeln in den Beinen noch seher geschmerzt und ich bewegte mich sehr langsam und vor allem losgehen, aufstehen war problematisch. Ich hatte nur einen riesen Hunger und das mehrere Tage, Soviel wie der Körper haben wollte, konnte der Bauch gar nicht aufnehmen… runtastic sagt es waren 19000kcal

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