24h Lauf Barcelona… Blau macht glücklich

Das ist Jahr ist fast zu Ende und zum Abschluss sollte es noch einen ganz besonderen Lauf geben…

Antje war letztes Jahr schon in Barcelona und als Siegerin hatte sie einen Freistart bekommen. Ich gesellte mich dazu und so ging es am letzten Adventswochenende nach Spanien zum 24h-Lauf auf der Bahn im Stadion.

Der Lauf hat einen guten Ruf und ist international gut besetzt, laut Teilnehmerliste 21 Nationen!
Da das Ibis Hotel Sponsor des Laufes ist und nur 600m von der Strecke entfernt ist, waren die meisten Läufer hier untergebracht, dass machte nochmal einen besonderen Flair.

Da die Entscheidung erst im Laufe des Jahres für diesen Lauf gefallen ist, hatte ich nicht mehr viele Urlaubstage und kam erst Freitag Nachmittag im Hotel an.
Ich traf mich mit Antje und Heiko, schnackten etwas, gingen zur Strecke und Essen.
Am nächsten Morgen war das Restaurant voll mit Läufern beim Frühstück und ich gesellte mich zu einem Läufer aus Oxford, den ich beim Einkaufen im Supermarkt kennengelernt hab. (Ich brauchte noch Wasser für den Iso, in Spanien ist das Leitungswasser ja gechlort)
Danach ging es zur Strecke und wir waren überrascht im Vergleich zum letzten Jahr waren die Pavillons und Tische schon aufgebaut und wir hatten Mühe einen Platz zu finden. Wir nahmen einen kleinen Tisch und teilten den Pavillon mit Läufern aus Italien.
Die Startnummernausgabe dauert sehr lange. Hier traf spanische Gelassenheit auf deutsche Nervosität… Nach 30min hatten wir Nummer und Chip. Kurz nochmal ins Hotel und dann vorbereiten auf den Start. Getränke, Gels, mp3-Player zurecht legen.

Vor dem Start werden die Einzelläufer einzeln aufgerufen und laufen durch ein Spalier der anderen… Ich war aber noch in meiner Vorbereitung und hörte meine Musik um das Ganze hier etwas auszublenden, somit ließ ich das aus und ging dann zum Start. Ich sortierte mich in der Mitte ein und versuchte mein Tempo zu finden.
Der Lauf findet auf einer 400m Bahn im Stadion statt. Die Einzelläufer haben die 3 äußerten Bahnen (die schnelle die innere der 3). dann kamen 6h Läufer und ganz innen liefen die Staffeln und 50km Läufer. Somit war immer Bewegung auf der Strecke.
Heiko machte mich vor dem Start auf einen kleinen Spanier aufmerksam, der letztes Jahr los gerannt ist und dann böse eingebrochen ist. Dieses Jahr wieder. Gefühlt 4er Schnitt, nach 30min hatte er mich schon 5-6mal überrundet. Am Ende war er nur 2km vor mir. Er war nicht der einzige. Ein Ire und ein Engländer überholten mich auch permanent, aber ich wollte hier nicht irgendwelche Platzierungen erlaufen, geschweige denn das Tempo mitgehen. 24h sind lang und ich hatte ein Plan.

Foto Heiko Krause

Foto Heiko Krause

5:40 los laufen und dass so lange wie möglich durchhalten. Ich versuchte wenig Zeit bei der Verpflegung zu verlieren und beschränkte mich Anfangs auf Iso und Gels, die mir Heiko auf Zurufen eine Runde später reichte. Die Gels sogar schon geöffnet, toller Service.
Alle 3 Stunden wird die Laufrichtung geändert. Beim ersten Wechsel ist es schon komisch, wenn plötzlich die Läufer auf der Mittelbahn dir entgegen kommen, danach gewöhnt man sich dran. Die Wechsel waren auch ein guter Meilenstein für den Kopf. (noch 50min…)
Im DUV-Forum hab ich danach gelesen, dass ich nach 3Std. 39igster war, aber mit über 30km gut im Soll.
Langsam fing meine linke Hüfte am Knochen an zu stechen, dass hatte ich in Basel auch schon, ging mit Eisspray weg, leider hatte ich meins vergessen und Heiko auch keins am VP… Ich wusste, dass es nervig ist, aber ich damit laufen konnte. Den Marathon beendete ich unter 4std… Das Stechen ging nicht weg, also zu den spanischen Sanis, die hatten aber nur Wärmespray, es half nur bedingt.
Weiter ging es, ich schaute nicht so sehr hoch, sondern eher nach vorne auf die Bahn und war für mich allein. Der Vorteil im Stadion, die Musik ist überall hörbar. Somit lief ich erst ohne eigene Musik.img_8780
Ich habe über viele Dinge nachgedacht… Texte für diesen Bericht, Fotos für Instagram, um das meiste nur wieder zu vergessen…

Die Hüfte macht sich weiter bemerkbar und ich verlor etwas an Tempo. Nach 9:58 erreichte ich die 100km. Antje sagte mal: „100km in 10Std und die 200km klappen!“
200km waren auch mein Ziel, also war ich zufrieden. Nächstes Ziel 12h, hier wird ein Split genommen und ich hätte eine offizielle Weite. Marcel den ich beim Triplemarathon kennengelernt hab, hatte eine Weite von 113,xxxkm, die wollte ich gerne schlagen, was mir mit 116,676km gelang.
Jetzt kommt der schwierige Part, es ist Nacht (das Stadion ist hell beleuchtet), die Musik im Stadion ist aus (ich lief mit meiner), es sind weniger Läufer auf der Strecke und es gibt weniger Meilensteine. Zum Glück die Wenden.img_1871
Ich wechselte Schuhe und die Sneakersocken, dank der Tubes ging das jetzt ja schneller. Alle anderen Aktionen machte ich im Laufen. Nach der Kälte von Basel war ich aufmerksamer und legte frühzeitig Schichten nach. Auch hier war Heiko eine große Hilfe, erreichte mir die Klamotten.
Also weiter im Tunnel und auf die Musik gelauscht. Nach 13,5Std… Mein mp3-Player liebt mich! Es kommt Superhero von the Srcipt, mein Motto! „Every day and every hour, turn the pain into power!“ Singend lief ich um die Strecke.
Ich gönnte mir jetzt immer zum Anfang der vollen Stunde eine Gehrunde. Das Lauftempo lag jetzt bei 6:20-6:30.
Nach 14Std nahm ich ein Gel und kaum war es im Mund löste es schon einen Brechreiz aus, den ich unterdrücken konnte und das Gel schluckte ich auch noch runter, aber jetzt war Gel tabu und ich versuchte erstmal den Magen zu beruhigen. Mit Tee, Reiswaffeln und Obst gelang mir das eine halbe Stunde später.
Ein unruhiger Magen, stechende Hüfte und einige Blasen waren also meine Begleiter.
Die Bahn wurde vor kurzem erst neu mit Tartan versehen, vorher war es Beton. leider löste sich das Granulat etwas und ich hatte ständig Krümmel im Schuh die raus mussten.20161217_214958
So setzte ich mich öfter mal am Rand auf die Mauer um die Schuhe auszuleeren. Da ich mir gerne einen Wolf laufe, verzichte ich seit längerem auf Unterwäsche beim Wettkampf und in Kombination mit der Kälte der Mauer (<10°) habe ich mir wohl eine leichte Blasenentzündung geholt. So dass ich einmal die Stunde an den Rand musste, nur kurz, aber etwas schmerzhaft…
Jetzt kommt die Zeit in der vieles weh tut und man sich Ausreden zum aufhören sucht. Antje hatte mir aber am Freitag noch gesagt. „Denk dran was du alles hier für aufgenommen hast. Flug, Hotel…!“
Hinzukommt auch noch das ganze Training, was mich viel Zeit gekostet und sehr geschlaucht hat.
Man zweifelt und ich dachte, gerade bei Antjes super Leistung: „Was denken die beiden von dir? Ist das wirklich die richtige Disziplin/Distanz für dich? Stimmt dein Ehrgeiz und deine Selbsteinschätzung mit deiner möglichen Leistung?“
Diese negativen Gedanken ziehen dich nur runter, die musst du verdrängen… Weiter.
Also weiter… 2 Runden laufen, 2 Runden gehen war die Devise. Nach 17Std viel die Übertragung von der Rundenzählung zum Monitor aus. Also wusste man nicht, wo man steht… Egal, du kannst es nicht ändern und lauf einfach weiter.
Nach 20,5h ging es wieder und ich hatte noch 23km vor mir zur 200! Das kann man fast gehen. Mein Kopf hat das aber nicht kapiert und ich hatte etwas Panik. Also lief ich 2 Runden und ging 1. Bei 3 Stunden Rest waren es noch 18,6km… „Das klingt gut. Das ist locker machbar. Die letzte halbe Stunde läufst du eh nochmal!“img_9316
Als die Sonne gegen 8:30 aufging stieg meine Laune wieder… Es erinnerte mich etwas an Herr der Ringe, Schlacht um Helms Klam. (Jetzt kam die Rettung)
2 Stunden vor Schluss ging laufen nicht mehr, das Aufsetzen wollte die Hüfte nicht mehr, also ging ich, denn auch gehen schafft Strecke. Die Uhr war schon leer und ich achtete drauf zügig „zu walken“.
Ich legte nach und nach die Kleidungschichten wieder ab und lief am Schluss wieder wie ich gestartet bin in T-Shirt.
Die Spanier liefen permanent in lang. In der Nacht mit Handschuhen und Buff in Gesicht. Die Finnen in der 2er Staffel liefen die ganze Zeit in kurz. 😀
Nach 23,5Std müsste ich die 200 passiert haben, ich holte mir die Sonnenbrille und die Tränen liefen. Die ganze Anspannung viel ab von mir. Ich versuchte die Runde zu laufen, was nicht ging. Also weiter gehen. Jetzt waren mehr Zuschauer an der Strecke und wir drehten unsere Runden. Heiko rief mir die Restzeit zu: „10min! Lauf nochmal!“ „Spinnst du!“
nach der nächsten Runde lief ich aber wirklich nochmal an. Es tat richtig weh, mit Ahhh und Fuck ging es um die Strecke. Nummernkarte in der Hand um sie beim Signal fallen zu lassen.
Was ich so schnell nicht vergessen werde ist die Musikauswahl des Veranstalters… Der letzte Song war „Don’t stop me now“ von Queen. Er endete 2sek vor Laufende.
Ich ließ meine Nummer fallen und legte mich kurz auf die Bahn.
2 Läufer erkundigten sich nach meinem Befinden und mit dem 2ten, dem Iren, ging ich die halbe Runde zurück zu den Betreuern.
Auf der Geraden bildeten Zuschauer und Staffeln ein Spalier für uns und man wurde abgeklatscht und gefeiert… Am Ende des Spaliers gab es die Medaillen.img_9417
Ich setzte mich auf unsere Bank und die ganze Anspannung fiel ab, die Beine und Hüfte schmerzte jetzt richtig. Hier musste ich an Joey Kelly denken… Hunger/Schmerz ist nur Hysterie des Körpers. Wir können mehr leisten als wir denken, wenn wir uns drauf einlassen.

ABER ich habe das geschafft, was ich mir vorgenommen hab! Es wurden 202,485km!
Somit wurde ich 10ter Mann und 15ter gesamt! Die Frauen haben zum Schluss richtig aufgedreht.

Der Lauf ist sehr zu empfehlen und der internationale Flair ist schon sehr toll.
Für mich gibt es vieles positives und viele einfache Ansätze Dinge zu verbessern.

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