Viborg 100km… Wo kommen die ganzen Leute her?

Zur Vorbereitung auf die deutsche Meisterschaft im 24h-Lauf habe ich mir wieder einen Wettkampf gesucht. 100km oder 12h flach sollten es sein. Kurz auf DUV HP den Filter eingestellt und geschaut, wie es mit Urlaub passen könnte. Immerhin hat mein Kollege ja auch mal frei…
In Viborg in Dänemark gab es einen 100km-Lauf, welcher gleichzeitig die dänische Meisterschaft ist. Einen offenen Lauf gab es aber auch, also angemeldet… Erstes Problem, die Anmeldung ist nur auf dänisch und da es einen sichere Seite ist, ging auch kein Googleübersetzer… Bei Facebook die Seite gelikt und angeschrieben, ob es ein englisches Formular gibt. Gibt es leider nicht, aber Bjarni (der Veranstalter) bot mir an, das Formular telefonisch durchzugehen und so meldete ich mich an.
Übernachtet hab ich in Flensburg und hatte somit 2Std. Anreise. Viborg liegt im Norden des dänischen Festlandes.

Ich hatte aufgrund des Filtern nur die Homepage für die 100km gesehen und bei etwas über 30 Läufern auf einer 5,7km Runde rechnete ich mit einem recht einsamen Lauf, denn irgendwann verteilt sich das Feld.
Ein paar Tage vor dem Wettkampf meinte Vivian das es auch einen 24h-Lauf gibt… Der Hauptlauf ist aber ein 24h-Staffellauf. Bist zu 20 Läufer bilden ein Team und es ähnelte einem kleinen Volksfest. Insgesamt waren 155 Teams gemeldet und die Bierzelte säumten bestimmt 1,5km der Strecke, von Volkswagen bis zu Pfadfindern und Dansk Bank war alles vertreten. An den Zelten gab es Popcorn, italienische Kaffeemaschinen und überall wurde gegrillt. Ein Webergrill war das Minimum, das eine Team machte sich ein ganzes Schwein und wir mussten daran vorbei laufen… Es gab dadurch auch verschiedene Leistungsstärken und Alter von kleinen Kindern bis hin zu Rentnern war alles vertreten. Viele gingen auf der Runde ein paar Stücke, andere liefen die 5,7km in 18:xx min. Dazwischen mischten sich 12h-Läufer, 24h-Läufer und die 100km Läufer.
Die Läufer der Meisterschaft konnte man gut erkennen. Sie hatten ihre Altersklasse auf dem Rücken. Der Rest verschwamm nach ein paar Runden… Somit war man nie alleine unterwegs.

Nach dem ich gut angekommen bin habe ich mich zum Zelt und der Startnummernausgabe begeben, auch hier war Bjarni wieder um mich bemüht, die Einweisung erhielt ich gesondert in Englisch.
Kurz umgezogen und meinen privaten VP eingerichtet, es standen große Tische bereit, den Rest der Klamotten im Zelt verstaut und dann ging die ganze Gruppe zum Start, damit wir nach 100km auch über die Ziellinie kommen, mussten wir 2,6km entfernt starten.
Hier konnte man schon mal das erste Stück der Strecke und die ersten 2 Hügel kennenlernen.
Der Start erfolgte bergauf und fand im Regen statt. Es regnete die ersten 6STd fast durch und auf meiner letzten Runde nochmal kräftig. Die Lust zu starten hielt sich in Grenzen. Immer wenn man dachte es hört auf und man könne die Jacke evtl. ausziehen, kam der nächste Schauer und bei einer Runde von 30min ist man dann lange unterwegs, bis man wieder zurück zu seinen Sachen kommt.
Die erste Runde fuhr ein Radfahrer vorne weg, aber man konnte sich nicht verlaufen, immer am See entlang und die Strecke war auch markiert. An einigen Stellen lief man auf dem Bürgersteig neben dem Verkehr lang, aber das waren nur kurze Stücke.
Nach dem Start ging es über einen Sandweg in den Wald gegenüber des Zielbereichs, hier war auch ein kleiner VP mit Wasser und Obst. Nach dem Wald machte VW Werbung und stellte auch etwas Wasser zur Verfügung. Kurz über die Brücke die 2 Seen trennt und dann weiter um ein Hotel rum und durch die Zeltstadt, nach 500-600m war die Runde beendet und zur Verpflegung konnte man einen kleinen Bogen laufen.
Jetzt merkte man erstmal die ganzen Menschen die da waren, aufgrund des schlechten Wetters verzogen sie sich aber eher in die Zelt, als es später aufhörte zu regenen waren sie mehr an den Absperrzäunen und feuerten uns an. Kurz nach dem Zielstrich überholte mich die erste Staffel. Sie haben in 18:xx min 2,6km zugelaufen…
Am Start unterhielt ich mich mit einem Dänen der recht gut Deutsch sprach und traf ihn noch öfters wieder und schnackte kurz. Ansonsten gab es immer kurze Gespräche auf Englisch. Da hier fast nur Dänen starten, sollte man sich evtl. die Nationalität auf den Rücken pinnen, ich wurde öfters von hinten in dänisch angesprochen…

Kurz vor dem ersten Kilometer der richtigen Runde ging es über ein Sandstück, durch den Regen lief es sich hier wie auf einem Wasserbett und da musste man insgesamt 17mal rüber, dass machte mir später zu schaffen, dann bei den Pfadfindern und einer Villa vorbei. Der Besitzer musste zeigen, dass er einen Ferrari hat, der stand die ganze Zeit gut sichtbar auf dem Grundstück, normalerweise fährt man bei so einem Wetter den Wagen ganz bestimmt nicht raus.
Die Pfadfinder machten später noch Lagerfeuer und da das Holz nass war brannte der Rauch fies in den Augen.

Ich lief rechtzügig, aber hatte den Puls im Auge, gerade berghoch wollte ich nicht übertreiben.
Ich war lange Zeit auf Kurs 9:00Std, selbst wollte ich gern 9:15-9:30 laufen. Ab 30km wurde ich zunehmend langsamer, richtige Begründung fällt mir nicht ein, fühlte es sich eigentlich noch gut und gleich an. Kurz nach dem Marathon brauchte ich erstmal ein Pflaster von den Sanitätern, für meine Brustwarze, sie war vom Training gereizt und durch den Dauerregen fing sie wieder an… 1:30min hat mich das gekostet.
Ich fing bei 20km mit Gels an und 2 Runden Später mit Iso. Alle 4 Runden nahm ich dann ein weiteres, das Letzte dann 3 Runden später.

Da die Runde so groß ist, muss man „nur „17,5 Runden laufen, d.h. ab Marathon ist es nur noch einstellig… Gut für den Kopf.
Da der Boden durch den Regen recht weich war, im Zielbereich auf Asphalt wieder recht hart und leicht schief, bekam ich etwas Probleme mit dem linken Bein. Ich wechselte bei 49km, meine Klamotten bis auf Stulpen und Hose komplett.  In meinen Ellenbogenhöhlen stand das Wasser, was sehr unangenehm war. In den neuen Schuhen fühlte es sich gleich besser an. Die waren mehr gedämpft. Ich verlor jetzt etwas an Tempo war aber noch in nem guten Zeitfenster für 9:30std.
Den ersten Marathon beendete ich in 3:50 und den zweiten noch unter 8:00.

Auf Hälfte der Runde bei Kilometer 80 bekam ich ein Stechen ins rechte Schienbein und es wurde von unten hoch warm… Jetzt musste ich mich 3km ins Ziel schleppen, langsam, viel gehend. Ich habe keine Ahnung woher das kam, nach dem Lauf kam das auch nicht mehr wieder.
In der Klappbox im Zelt hatte ich Eisspray… Einmal eine ordentliche Ladung drauf und langsam weiter laufen. Ich nahm mir überall jetzt mehr Zeit, an den VPs oder berghoch, da ging ich sogar mal.
Die 9:30 waren futsch und der Weg noch weit. Ich war richtig im Tief. Aufhören war aber nie ein Thema solange es nicht schlimmer wurde. Ich lief irgendwas um 7:00min, schneller meldete sich das Schienenbein. Ich hatte jetzt einen 24h-Läufer als Begleitung, aber er lief zwischendurch zu schnell. Ich lies ihn ziehen, holte ihn aber öfters nochmal ein.
Ich rechnete im Kopf vor mich hin wie langsam ich für 10:00 laufen müsste… irgendwas über 8:00… Bei 8km Rest heißt das, wenn ich unter 6:00 laufen könnte wäre sogar 9:45 drin.. Ich versuchte nochmal schnell zu laufen und es ging. Der Schmerz war auch wieder weg…
Also lief ich was ging und rechnete die ganze Zeit gegen. Im Zeltdorf nochmal Endspurt, da die Uhr durch das Abbiegen ins Zelt und VP natürlich nicht 100% genau war. Am Ende reichte es noch für 9:43Std.
Die Zeit hätte ich gerne besser gehabt. Den Verlauf des Rennen und das Wiederkommen aus dem Tief motiviert mich aber für Gotha. Ich weiß aber das ich langfristig an meiner Tempolänge arbeiten muss.

Es wurde zum Schluss langsam dunkel und 5,7km auszuleuchten ist sicherlich nicht einfach. Im Wald waren kleine Lampen angebracht, die wenig Licht spenden, vielleicht ist es im richtigen Dunklen heller, aber im Übergang war es schon nicht leicht mit der Sicht. Wer also länger als 9:30 braucht oder 12 oder 24h Läuft sollte sich evtl. eine Kopflampe mitnehmen.
Auf Facebook habe ich dann gelesen, dass ich den offenen Lauf lange angeführt habe, um die Platzierung ging es diesmal gar nicht und ich wusste sie während des kompletten Laufs nicht.
Das die Bedingungen nicht so einfach waren zeigt auch das 8 Läufer das Rennen vorzeitig beendet haben, bei 35 Startern ist das schon eine recht hohe Quote.

Die Dänen geben sich aber sehr viel und mit besserem Wetter ist es ein schöner Lauf und Viborg ist bestimmt ein längeres Wochenende wert.

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