24h Deutsche Meisterschaft in Gotha

Das Highlight des Jahres stand an, die deutsche Meisterschaft im 24h-Lauf.
Nach dem Delmenhorst ja nicht so lief wie erhofft, also hier nochmal etwas am Training geändert und das Ziel auf 210km neu ausgegeben.

Die Vorbereitung lief recht gut, obwohl ich den Trainingsplan aus dem Buch gleich erstmal anpassen musste, die Pace war Blödsinn!

Ich reiste Freitag frühen Nachmittag an, um den Wochenendverkehr bei Hannover usw. zu entgehen. Ich hatte mir eine Pension gesucht. 30€ die Nacht, 10min von der Strecke weg, war optimal. Sie war über einer Spielhalle, aber man hörte nichts und das Zimmer war sehr sauber und die Leute sehr freundlich. Großes Lob an die „Pension am Ostbahnhof“
Antje und Heiko waren auch hier untergebracht und trafen am frühen Abend ein. Für den Pavillon hatte ich schon einen Platz gesichert, neben Florian Reus und der LG Ultralaufen. Schnell aufgebaut und anschließend noch auf Tipp der Einheimischen in Gotha gemeinsam gegessen.
Der Start war diesmal um 10:00Uhr und nicht wie sonst üblich 12:00. Der frühe Start ist angenehm, da man vorher nicht solange wach ist, aber die Nacht und vor allem der nächste Morgen sind so später… Ich mag es wenn endlich wieder „Licht angeht“

Als wir uns die Strecke anschauten waren wir etwas eschrocken, viel loser Splitt und ein richtiger Anstieg zum VP-Bereich, dort befand sich dann auch noch Kopfsteinpflaster… Der Entschluss war somit einfach. Ich starte in den recht neuen Hokas! Die sind einfach besser gedämpft und ich hatte nicht ein Stein im Schuh.

Am Morgen dann noch beim Bäcker gefrühstückt und zur Strecke. Langsam entwickelt sich eine Routine im Aufbau meines Tisches. Mit einigen Läufern und Betreuern geschnackt und irgendwann ruhig zum Start gegangen.
Wieder mal etwas zu weit hinten eingereiht, aber bei der Dauer ist dass nicht so ganz gravierend.
Nach dem Start ging es erstmal durchs offiziell Verpflegungszelt und dann an den eigenen Pavillons vorbei. Da hier Pflaster war, waren die Zelter am Ende der Runde untergebracht, was es für die Helfer angenehmer machte, keine Stolperfallen durch Zeltschnürre.
Jetzt kam noch ein leichter Anstieg und man lief eine Schleife über Sandboden, die Schleife ging auch leicht nach oben. Hier war auch ein langes Begegnungsstück, was Abkürzen theoretisch möglich machte und vom Erzählen bei der Siegerehrung soll es auch jemand in der Nacht versucht haben.
Weiter ging es direkt unterhalb des Schloss hinter dem Verpflegungsbereich entlang, durch zwei kleine Tunnel, anschließend leicht bergab und auf eine weitere Schleife. Hier war der Boden etwas unebener und es bestätigte sich, dass die Wahl der Hokas richtig war. Das Begegnungsstück hier war kürzer, aber dafür der Weg schmaler. 2 Läufer nebeneinander hatten Platz.
Bei der Begegnungsstelle ging es dann berghoch, über ein kurzes Stück Teer und die Runde war geschafft.

Ich lief etwas langsamer los als sonst. Erst mit Heike Bergmann und dann mit einem Läufer aus Erfurt. Aufgrund seiner Verpflegungsstrategie trennt wir uns aber nach 1-1,5Std.
Ich lief diesmal ohne Musik los und lies sie als Motivation für das erste Tief auf dem Tisch liegen.
Irgendwann lief ich mit Nadja Koch, wir kannten uns flüchtig aus Barcelona. Sie brauchte aber auch immer etwas länger bei der Verpflegung und war auch ein kleines bisschen langsamer als ich. Somit trennten sich hier auch nach 3-4 Runden unsere Wege…
Den Marathon beendete ich knapp unter 4:00.
Iso und Gel nahm ich weniger als sonst und dass auch mehr zeitlich orientiert, als nach Strecke. Ich ass viel Wassermelone vom offiziellen VP.
Nach 6Std. merkte ich wie ich langsamer wurde und die Motivation etwas litt, also Musik rein und das Tief war gut überstanden.
Den zweiten Marathon beendete ich nach über 8:00Std, im Grunde fehlte mir hier eine Runde… Ich habe nicht gemerkt wo ich die Zeit liegen gelassen hab und ich fragte bei Heiko nach. Da ich mit Antje noch in der gleichen Runde war stimmte es… Schade.
Aber es lief noch gut…
Ab 8:00Std erlaubte ich mir als Bremer, der nur Autobahnbrücken und Deiche, kennt den Anstieg zu gehen. Immer bei dem Zelt der Mannschaft aus Zwickau wechselte ich in den Gehschritt und oben schwankte ich aus Anlaufen oder bis und mit der Verpflegung gehen.

Es war erst recht sonnig und wurde auch schön warm, bis Wind und Wolken aufkamen, von Regen wurden wir bis auf 5 Tropfen aber verschont. Ich trank dadurch aber recht viel. Irgendwann lies ich meine Verpflegung stehen und bediente mich nur noch beim offiziellen VP.
Zu mir lief Julia Fatton auf. Die am Ende zweitplatzierte und neben Antje beste deutsche Läuferin. Sie läuft sehr konstant und ich lies mich von ihr ziehen und wir unterhielten uns recht viel. Die Zeit verging dadurch super.
Irgendwann musste ich sie aber wieder ziehen lassen, da sie dann doch zu schnell war. Ich lief weniger nach Pace, als nach Puls… Immer mal kontrollieren und schön im grünen Bereich bleiben. Es war auf der Uhr aber das Display auf Pace und Gesamtzeit gestellt.
Die 100km beendete ich nach knapp über 10Std., Antjes Faustregel war/ist… 100 unter 10 und die 200 sind drin.
Da die Strecke doch recht schwierig ist, hatte ich mich schon vorher eigentlich von den 210 verabschiedet.

Jetzt wurde es langsam dunkler und die Strecke leerer.
Mit etwas über 2km war recht viel auszuleuchten und an manchen Stellen war es echt dunkel. Kerzen in Windlicht sind gut für die Atmosphäre, spenden aber wenig Licht. Einige Läufer hatten eine Kopflampe auf und ich werde demnächst meine auch mitnehmen zum 24h-Lauf, soviel Platz habe ich noch in meinen Boxen.
ich konnte aber immer noch gut laufen und wollte eigentlich bis 14Std nicht gehen, den Anstieg außen vorgelassen. Das gelang mir nicht ganz. Nach 12Std ging ich eine komplette Runde. Es sollte die Einzige im ganzen Lauf werden.
Ich konnte immer wieder los laufen und die Hüfte und der Magen hielten. Das Training im Fitnessstudio seit Barcelona hat sich bezahlt gemacht.
Ich achte am Anfang wenig auf Platzierungen, dazu passiert zu viel in der Nacht. Irgendwann war ich von 21 auf 10 vor gespült worden. Ich hatte im Vorfeld die Mitläufer der M30 in der DUV-Statistik angeschaut und machte mir Hoffnung auf den zweiten Platz, da viele Neulinge dabei waren und Florian Reus wohl weit vor mir landen würde.
2 Neulinge rannten aber ein Wahnsinnstempo und einer kam sogar mit 240km durch und wurde gleich deutscher Meister. Der andere musste bei 192km aussteigen.
Ich informierte mich welche AK die beiden da vorne waren und beiden liefen in meiner… 10 gesamt und vierter in der AK ist undankbar, aber ich lief noch und die eine neue Bestleistung und vielleicht sogar die 210km waren noch drin. Und ganz ehrlich, ich nehme lieber die 210 und Platz 4, als 182 (wie in Basel) und Platz 2 in der AK.
Irgendwann sah ich Florian sitzen und abbauen. War heute nicht sein Rennen. Heiko meinte der andere Läufer ist raus und ich konnte mich auf Platz 2 vorarbeiten.

Es wurde in der Nacht recht kühl, ich hatte ein Langarmshirt und meine Regenjacke an, da ich lief reichte es so. Einige die gingen trugen Mütze und Handschuhe.

Ich trank mal einen Tee, der lief aber fast direkt durch und ich durfte anschließend immer mal in den Büschen verschwinden oder auch mal Brühe. nach 17,5Std meinte der Magen er sei voll und das was drin ist gefiel ihm nicht. Ich übergab mich, aber ohne irgendwelche Probleme danach. Mit etwas Wasser und Kartoffel füllte ich wieder auf. 2-3 Runden später verpflegte ich mich wieder gut. Auch mal mit Schmalzstulle, leckere Salzquelle.
2Std später, dass gleiche Spiel. Ich hatte danach wieder keine Probleme mit dem Magen, aber jetzt etwas Panik… Kannst dich ja nicht ständig übergeben. Am VP sah ich Heiko nicht, aber Norbert den Sportwart der DUV… Ich gefragte ihn was ich machen soll und was ich zu mir nehmen kann. Er meinte Brühe, die war mir zwar etwas stark, aber es beruhigte sich alles und ich lies jetzt 2 Runden die Verpflegung weg…
Danach ging es mit Salzstangen usw. wieder gut weiter.

Es wurde hell, aber immer noch recht frisch. Die Müdigkeit sorgte natürlich auch dafür.
Heiko meinte die 215km sind drin. Was? Mir reichen schon 210 und für 215 muss ich noch ordentlich laufen. Grob überschlagen schaffte ich 4 Runden pro Stunden also bisschen über 8km. Da ich gelernt habe nicht mit dem Betreuer zu diskutieren lief ich weiter. Ich hätte angeblich sogar, die einmalige Chance Antje zu überholen, aber sie stieg nicht bei 215 aus, sondern lief bis 219 durch.
Die Läufer die man jetzt schon kannte feuerten einen an. Ganz vorne Julia. Sie hatte gefühlt immer die beste Laune.
Norbert von den Mauerweglern oder die LG Ultra waren auch immer sehr gut drauf, obwohl mir dies Mal Frau Ruf mit ihren Motivationsschildern fehlte.
Als Die LG Nord Berlin den Läufer neben mir mit: „Super Benni“ anfeuerten, konnte ich mir ein lautes „Super Toni“ nicht verkneifen…

Ich wurde scheinbar wieder etwas schneller und die 215 waren wirklich realistisch. 1,5Std für 6 Runden… Also nicht langsamer als 15min werden.
Als ich Plötzlich 52 für 3 Runden hatte war ich verwundert. Ich nahm etwas raus und ging bis zum Scheitel der ersten Schleife… Man muss ja nicht übertreiben und noch eine Runde mehr den Anstieg hochlaufen… Lief dann aber wieder an.
Ich überlegte mir dann, dass 216km besser wären. Das ist die Startplatzqualifiktaion für den Spartathlon (nicht das ich es vorhabe, aber was man hat, hat man), also ohne Lotterie. Ich lief an 2 Helfern mit Messrad vorbei und fragte ob hier 1km ist, da die 215 mit der Runde voll waren. Sie bejahten es und ich war auf der sicheren Seite. Kurz bevor es bergab ging legte ich mein Holz 3-4min vor Schluss ab und legte mich auf den kühlen Rasen.
Der Lauf war geschafft und ich bin 24h fast durchgelaufen… Super glücklich und zufrieden ging ich nach dem Schlusssignal zurück zum Pavillon. Ich packte mein Zeug zusammen und bewegte mich zur Siegerehrung.
Ich bin noch bis auf Platz 6 vorgelaufen und habe bis auf Stu Thoms alle Nationalkaderläufer hinter mir gelassen. Schon ein cooles Gefühl. Sie liefen aber erst vor 9 Wochen bei der Weltmeisterschaft…

Am Ende reichte es für 216,194km, Platz 2 in der AK. Nächstes Jahr bin ich dann M35, mal schauen auf wen ich da dann treffe.

 

Fotos: Heiko Krause und Feierspion

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