15. Müritz-Lauf… auch beim 100sten macht man noch Anfängerfehler

Es ging mal wieder in die Heimat, zum Müritzlauf (75km einmal um den See) und nach dem ich zumindest bei allen geplanten Läufen einen Zähler für Marathon/Ultra bekommen habe war klar, dass ich hier meinen 100sten Marathon/UltraMarathon laufen werden.
Ich fragte nett ob ich die Startnummer 100 bekommen kann, was der Veranstalter umgehend einrichtete inkl. Facebookpost und Blumen (womit ich nicht gerechnet habe und somit nicht mehr da war bei der Übergabe)

Ich war seit Basel ziemlich unmotiviert, was Laufen und Training anging und somit nicht auf dem Stand, den ich gerne sein wollte… Trotzdem lief ich mit der vor langer Zeit geplanten Pace los. Totti, ein Läufer auf Brandenburg verzögerte etwas und so liefen wir gleich auf Platz 3 liegend zusammen.
Wir waren etwas schneller als geplant, aber im kühlen Wald und mit der Platzierung fühlte es sich gut an.
Die ersten 20km geht es schön durch den Wald und es gibt alle 10km eine Verpflegung. Ich nahm an der ersten nur Wasser und ein Gel.

Bei 15km rechnete ich das erste mal hoch… Endzeit 6:08Std… 6:15 wäre die Zeit für gut trainiert und Toplauf, also Totti ziehen lassen und versucht etwas langsamer zu machen, was mir gar nicht so leicht viel.
Am Ende des Waldes wartete meine Mutter mit dem Fahrrad. Sie wollte mich begleiten. Ein weiterer Grund, warum ich an der Müritz war und nicht beim Mauerweglauf (obwohl ja dies Jahr 30 Jahre Mauerfall als Jubiläum gewesen ist)
Sie hatte eine Flasche Iso dabei und so nahm ich nur etwas Obst bei 20km und verzichtete auf den nächsten Wasser-VP.
Wir unterhielten uns, ich versuchte sie am meisten reden zu lassen und so verging die Strecke bis Rechlin recht schnell. Am Ende des Ortes war der Iso fast leer und sie verabschiedete sich. Beim nächsten Mal kommt sie länger mit. Ich war vor Jahren schon mal hier und dort bin ich ruhiger gestartet. Es waren in Rechlin schon Staffelläufer zum Wechsel da und diesmal kam ich gefühlt ganz allein in den Ort und an den VP, ohne viele Zuschauer. Die gibt es bei dem Lauf eh kaum. Mutti  hatte Befürchtung zwischen den Läufern zu fahren, aber das Feld war so verteilt, dass ein Fahrrad niemanden störte und ich war eh fast allein. Kurz hinter mir war eine Dreiergruppe….

Nach Rechlin kommt eins der beiden doofen Stücke. Auf dem Radweg geht es an der Bundesstraße lang und es war viel Verkehr. In Vipperow durfte man aber wieder in die Landschaft abbiegen. Hier holten mich die anderen Läufer ein und ich versuchte jetzt besser aufs Tempo zu achten. Es wurde langsam wärmer, vor allem mit Rückenwind. Hier geht es jetzt wellig über die Felder und man hat öfter mal einen schönen Blick auf die Müritz. Ich lies die anderen Läufer ziehen und machte auch an den Verpflegungspunkten einen längeren Stopp.

Kurz hinter Ludorf war der Marathon dann voll und deutlich unter 3:30Std. Jetzt kommt das zweite Stück was ich nicht so mag. Auf der Landstraße 4km nach Röbel rein. Am Ortseingang ging es über festen Sand einer Baustelle und dann auf dem Bürgersteig zum Hafen. Röbel war sehr voll. Irgendwas fand in der Kirche statt, wo einige Busse hielten. Wir liefen zu dritt und nutzten die Straße oder die andere Straßenseite.
Jetzt wurden wir von der erste Staffel überholt, beim letzten Mal passierte das schon vor Rechlin.

Im Hafen dann noch mit Silvio dem Sieger vom FDZU abgeklatscht. Kurz verpflegt und weiter ging es am Wasser entlang. Kilometer 50! Kurz hinter Röbel ist es soweit 2/3 des Laufs sind geschafft, aber für die Anstrengung ist es eher 1/3. Nach 4:10:03 piepte die Uhr. Also war ich jetzt im Soll, aber die Kraft war fast weg. Ich holte kurz danach Totti ein, der ein Stück ging, ich erkundigte mich was los ist und ging 30-40m mit. Er meinte, es ist eine mentale Sache. Somit lief ich weiter. Der nächste VP lag in der Mitte von einem Anstieg. Berghoch wieder anlaufen war doof, also ging ich das erste Mal länger bis zur Spitze und lief dann weiter.

In Gotthun kommt man auf die Strecke, die auch die Städteläufer (26,5km) laufen, also bin ich jetzt hier zum dritten mal… Aber der Verpflegungsstand war nicht da, eigentlich hatte ich den geplant und wollte dort ein Gel nehmen.
Etwas Enttäuschung macht sich breit, aber nicht lange, denn Sie sind nur ein paar Meter weiter hinter die Kurve gewandert.

Hier läuft es sich sehr gut. Radweg und hohe Felder, um dann wieder ein Stück neben der Straße berghoch nach Zierzow zu laufen. Ich ging mehrmals an dem Berg. In Zierzow waren jetzt viele Staffeln und einige der Läufer feuerten mich auch an. Am VP reichhaltig gestärkt und weiter ging es. Immer wieder ging ich ein Stück und lief dann weiter. Spätestens wenn die Kilometerpace über 7:00 zeigte lief ich wieder an.
Nächster Ort und nette Helfer, die mir schon mit Wasser und Cola entgegen kamen. Das erinnerte mich an mein letztes Mal hier. Ich war fast am Gehen und die Helfer sind motiviert mir schnell Dinge zukommen zu lassen, obwohl ich jetzt doch Zeit habe.
Ich wusste noch, dass nach einem dieser Orte ein Berg kam. Hinten Sietow ging es auch hoch, aber irgendwie war das Stück dahinter anders, als in meinen Erinnerungen. Kann mich ja auch mal irren.
Es ging jetzt wieder durch die Felder und auch auf sandigen Wegen weiter nach Sembzin. Wieder kamen die Helfer mit Getränken und einen Eimer mit kaltem Wasser und Schwämme entgegen. Ich meinte nur, dass sie sich nicht stressen müssen. Darauf hin die Helferin: “ Wir sind doch da um euch zu betüdeln!“ Da musste ich schon sehr grinsen. Also Armlinge und Nacken nass gemacht und was getrunken. Aus dem Ort raus kam jetzt wieder ein Anstieg und dieser war der aus meiner Erinnerung. Schön hoch mit toller Aussicht. Danach steil bergab mit einigen 90 Grad-Kurven ging es wieder in den Wald . Dicht an der Müritz entlang…

Die letzten beiden Sommer waren sehr heiß, mit wenig Regen und der Müritz fehlen 45cm Wasserspiegel, dass sah man hier. Das Wasser war weit zurückgegangen und legte ein nicht so schönes Bild da.
Jetzt müsste doch bald Klink kommen. Kurz vor dem Ort kam mir ein Staffelläufer entgegen (ich dachte er läuft sich warm, immerhin ist hier ein Wechselpunkt) und ich meinte: „Einer von uns beiden läuft in die falsche Richtung!“
Da seine Staffel selbst mit Auto nach Klink gefahren ist, sucht er jetzt die Wechselzone. Ich fragte ihn bei wieviel Kilometern die sei und erklärte ihm, dass es noch 1,6km bis dahin sind.
Der Wechsel ist nicht direkt in Klink, sondern weiter hinten bei der Müritzklinik. In Klink begleiteten mich ein paar Kinder beim Laufen und ich reichte mein Trinkbecher, den ich am VP mitnahm ein paar Campern, da es hier keine Möglichkeit für den Müll gab und ich die Becher nicht in die Landschaft werfen wollte.

Hinter der Wechselzone kommt ein Waldstück, mit Laubwegen und Trails. hier ging ich bewusst. Mir war die Zeit und Platzierung schon fast egal und ich wollte jetzt sicherlich nicht noch umknicken.
Kurz an der Straße lang und wieder rein in Wald. Jetzt sind wir bald in Waren.

Man kommt dann kurz vorm Zeltplatz Kamerun raus. Einige Läufer haben mich eingeholt und die Staffeln wurden mit Rädern begleitet, somit war ich nicht mehr so allein unterwegs.
Die letzte Wasserstelle in Waren lies ich aus und man lief auf einem schön geteerten Radweg geradeaus in die Stadt rein. Ich konnte auch wieder gut laufen, ohne zu gehen und mit einer recht guten Pace. Es war klar, dass ich deutlich unter 7:00std bleibe und so sorgte ich für Entsetzen beim letzten Streckenposten. Statt rechts Richtung Ziel abzubiegen, lief ich auf der anderen Straßenseite nach links.

Mutti und Tina hatten mir ein Shirt für den 100sten Lauf angefertigt, aber da ich Taschen für Kleinkram brauchte, lies ich es im Auto und trug das blaue Shirt, welches mir bei den Ultras schon oft gute Dienste geleistet hat. Meine Auto parkte ich in Streckennähe, also lief ich schnell hin. Holte das Shirt und steckte das Handy fürs Foto danach ein und lief zurück zur Strecke und stieg an der gleichen Stelle wieder ein und erklärte dem Helfer meine Aktion. Der Umweg kostete mich sicherlich 5min, aber das war es wert.

Ich lief jetzt in den Hafen und über die Ziellinie in 6:56:33. Im Ziel setzte ich mich dann noch zum Sieger und dem lange Zeit Zweitplatzierten (musst verletzungsbedingt leider aussteigen). Ich wollte die Siegerehrung noch sehen. Mir wurde dann aber ziemlich kalt und ich machte mich auf den Weg zum Auto und nachhause. Die Blumen erhielt eine Helferin, dass ist auch sehr gut so. 

Ob ich nächstes Jahr wieder an der Müritz starte ist noch nicht so sicher, zumindest einmal muss ich den Mauerweglauf ja machen und meistens liegen die beiden Läufe sehr nah oder sogar am gleichen Wochenende, aber der Jubiläumsclub ab 5 erfolgreichen Umrundungen ist ein langfristiges Ziel.

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