Berlin Marathon… Pacemaker!

Ich war vor Jahren schon mal beim Berlin Marathon und hatte bis dies Jahr dort auch meine Bestzeit stehen. Die Veranstaltung war und ist gut organisiert, aber für mich einfach ne Nummer zu Groß, zu voll und zu Kosten intensiv, ich mag da lieber die kleineren Stadtläufe.

Ich habe aber die Chance bekommen in Berlin als Pacemaker zu starten und das ist etwas was ich mir nicht entgehen lassen wollte. Ich rechnete mit einer großen Gruppe an Mitläufern und einem internationalen Feld.

Ich reiste Freitag an, besuchte die Messe und traf mich mit einigen Freunden und Bekannten, abends war ich mit den Leuten vom SVA Salzbergen essen. Samstag gehört der Frühstückslauf einfach dazu, auch hier traf ich viele Bekannte und hier spürte man schon den internationalen Flair. Der Einlauf und die Runde im Olympiastadion tut sein übriges.

Das ganze Wochenende war das Wetter nicht wirklich toll, immer wieder Regen und grauer Himmel. Als wir bei den Skatern zugeschaut haben, kam auch ein ordentlicher Schauer runter. Ich war froh dies Jahr nicht zu skaten.

Sonntag morgens war dann alles gut, wenig Wind, bedeckt und recht niedrige Temperaturen… Bestes Laufwetter. Ich suchte erstmal das Zelt der Pacemaker und holte meinen Rucksack für die Flagge, dann noch schnell zum Erdinger Mobil wo ich meine Sachen deponierte und mich zum Foto der Racebooker getroffen habe, auf dem Weg wurde ich schon von anderen Läufern nach Informationen gefragt, scheinbar gilt man mit der Flagge als Mitarbeiter der Organisatoren.

Ich machte mich dann mit Thomas (meinem Mitpacer… Wir kannten uns schon aus Flensburg) auf dem Weg zum Startblock. Zum einen ist der Start ein Stück entfernt und für die anderen Läufer ist es eine gute Orientierung, wenn sie sehen wo die Pacer stehen. Wir standen im letzten Block der ersten Welle, eigentlich sollten hier alle schneller sein als wir, denn mit unserer Zeit wären wir gar nicht in den Block gekommen, aber ich erklärte es dem Helfer, dass wir genau da rein müssen. Der dritte Pacer startet auf der linken Straßenseite, Thomas und ich auf der rechten. Wir erklärten auf Nachfrage, dass wir konstant laufen werden und Anfangs evtl. ein paar Sekunden schneller, um die Überholvorgänge usw. im Griff zu haben.
In Berlin läuft man immer etwas mehr als 42,195km.
Links startet man scheinbar schneller, denn unser Kollege war 200-300m vor uns und diesen Abstand konnten/wollten wir nicht zu laufen, immerhin hätten wir dafür ja grob 1min rauslaufen müssen.

Thomas hatte sich wieder Zettel mit den Durchgangszeiten gemacht, ich habe die Zeiten im Kopf gerechnet, aber so konnte man gut vergleichen, ob ich nicht was falsch mache.
Der erste Kilometer war in 4:58min geschafft. Perfekt! Das ist die Pace um in 3:29:40 im Ziel zu sein. Wir orientierten uns grob an der Pace auf meiner Uhr, wo wir immer ein tick schneller waren als 4:58 und glichen die Durchgangszeiten mit den Kilometermarken am Streckenrand ab.

Es lief richtig gut und die Mitläufer sorgten für Platz vor uns so konnten wir gut laufen. Die Verpflegungspunkte versuchten wir anzusagen, auch auf welcher Straßenseite sie sind. Ich nahm meistens ein Becher mehr mit und bot ihn dann den Mitläufern an.
Ich unterhielt mich gut mit Thomas und einem Läufer aus England.
Das Feld um uns war sehr international: Ein Deutscher, ein Schweizer, ein Norweger, eine Kanadier, eine Amerikanerin und zwei Engländer.

Einige Zuschauer feuerten auch uns Pacemaker direkt an. Das war schon sehr cool. nach 8km wurden wir von zwei Pacemakern überholt. Das geht halt nur bei so großen Events mit mehreren Startwellen.
Es waren die Pacer für 3:00 aus Welle 2, die 5min nach uns gestartet sind. Kurzer Schnack, bzw. Zuruf und sie waren weg. Immerhin laufen die fast 45sek schneller pro Kilometer als wir.
Durch die Aufmerksamkeit auf das Tempo, habe ich recht wenig von der Strecke mitbekommen. Auch die Fans aus Salzbergen, hätte ich fast verpasst. Beim Halbmarathon stand Jessy aus Bremen, sie habe ich rechtzeitig wahrgenommen.

Die Kanadierin kam zu uns vor und meinte bis 35km bei uns zu bleiben und dann anzuziehen. Sie läuft sonst immer zu schnell los. Leider habe ich sie im Ziel nicht gesehen, würde gern wissen ob es geklappt hat. Name und Nummer konnte ich nicht lesen.

Es lief recht gut und jetzt kamen die VPs in kürzeren Abständen, da es nicht so warm war, lies ich auch mal einen aus.
Die nächsten Pacer überholten uns und das auch mit einer großen Gruppe Mitläufer, ich denke für die war es gar nicht so einfach durch unseren Block durchzukommen. 3:15 bei 28km ist eine ziemliche Punktlandung von den Dreien.

Bei ca. Kilometer 30 fing es an zu regnen und zwar richtig. Die Klamotten waren nass und die Straßen überflutet. Spätestens jetzt merkte man, wie schlecht die Straßen in Berlin sind. Es waren schnell große Pfützen da und selbst wenn man nicht reingetreten ist, spritze der Läufer neben dir das Wasser bis übers Knie. Die Stimmung bei uns war dadurch auch etwas schlechter als vorher.

Um die Läufer zu motivieren, sagte ich die restlichen Kilometer, bzw. Zeiten an. Bei 8km sind es noch 40min und das ist, wenn man es auf Training bezieht, ja nur noch ein kurzer Lauf. Da wir so international aufgestellt waren gab es diese Infos diesmal in Englisch.

Irgendwo hier kamen aber die Adidas Runner mit ihrem Cheeringpoint und hier war die Stimmung super, kurz danach gab es auch noch Energy Drinks als Verpflegung, den ich gerne nahm. Trinke ich doch gern zum Ende hin irgendwas süßes mit Koffein.

Wir wurden jetzt ab und zu von Läufern überholt die uns vorwarfen viel zu schnell zu sein, dass waren wir nicht. Wir sind halt nur in der anderen Welle gestartet. Einige riefen das leicht aggressiv zu. Denen konnte man nur zu rufen: „Nein, wir sind auf Kurs. Nur in der ersten Welle gestartet!“
Insgesamt gab es 70 Pacemaker, allein 9 3:30iger!

Bis Kilometer 30 hatten wir bei den 5km Splitts auf die Gesamtzeit eine Abweichung von max. 2 Sekunden. Bei 35 waren wir plötzlich 10 Sekunden zu langsam. Wäre immer noch unter 3:30 gewesen, aber bei 7 Kilometern Rest wollte ich nichts riskieren und achtet wir etwas mehr aufs Tempo. Ich wüsste aber auch nicht wo wir die Zeit verloren haben. Es ging jetzt über den Kudamm und am Potsdamer Platz vorbei. Bei Kilometer 40 waren wir nicht mehr so viel hinter her. Vielleicht durch das Wetter und Häuserschluchten auf dem Weg zu Unter den Linden war das GPS-Signal scheinbar gestört. Thomas meinte wir sind zu schnell. Ich war der Meinung es passt und dass das Gefühl durch die Kälte und Dauer kommt. Sowas kenn ich von den Ultras, man denkt man rennt nahe an 5:00 und dabei ist man deutlich über 6:00. Der Abgleich mit den Kilometermarken gab mir recht.
Wir waren wieder auf Kurs.

Der Zieleinlauf in Berlin beginnt eigentlich schon deutlich vor dem Brandenburger Tor, nämlich Unter den Linden. Erdinger Point und Cheerleader sorgten nochmal für Stimmung.

Thomas und ich trennten uns, einer links(er) und einer rechts(ich) durchs Brandenburger Tor, damit die Läufer die nochmal beschleunigen wollen nicht um uns rum müssen. Die Zeit passte, aber es ist doch noch ein Stück vom Tor bis zur Ziellinie, leider waren die Tribünen nicht so voll besetzt, aufgrund des Wetters. Wir versuchten nochmal die Mitläufer zu motivieren, nicht hinter uns zurückzufallen und überquerten die Linie in 3:29:37 und mit fast 700m mehr auf der Uhr!

Jetzt kommt einer der Gründe warum ich gerne Pacemaker bin. Die Mitläufer sind glücklich und bedanken sich bei dir. Man unterhält sich über den Lauf und alle haben trotz des Wetters und der Anstrengung ein Grinsen im Gesicht.

Ich habe weiterhin eine gewisse Abneigung gegen diese großen Marathons, würde aber als Pacemaker immer wieder nach Berlin fahren.

Selber auf Tempo lauf ich dann doch lieber in Hannover, Bremen, Münster…

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